Bolivien mit dem VW Bus bereisen: Santa Cruz nach Corumba

RoadTrip-GirlBolivien, Welt bebummeln/Reisetagebuch Leave a Comment

In Samaipata bekommen wir einen Tipp für Santa Cruz. Eine Familie betreibt dort in der Nähe eine Farm und freut sich über Besuch von Reisenden. In Bolivien eher selten, wird innerhalb der Familie auch deutsch, französisch und englisch gesprochen. Da wir uns schon einigermassen in spanisch unterhalten können, in den anderen Sprachen aber sattelfester sind, freuen wir uns darauf, wieder einmal eine andere Sprache zu sprechen.

Ich nehme Kontakt auf mit der Familie und so ist es schon bald fix abgemacht, dass wir uns auf der Farm treffen. Wir werden noch daraufhin gewiesen, dass wir nicht durch den Fluss, sondern durch die Stadt fahren sollen.

Polizeikontrolle zwischen Samaipata und Santa Cruz

Bevor es losgeht, werden wir von verschiedenen Reisenden gewarnt. Es gibt eine Polizeikontrolle auf dieser Strecke die wir fahren wollen. Auch wenn alle Papiere und das Fahrzeug in Ordnung sei, würden die Polizisten irgendetwas finden, damit sie Geld verdienen können. In die eigene Tasche versteht sich. Trinkgeld… Auch wird uns gesagt, dass wir ein spezielles Dokument brauchen würden und wir ohne dem Dokument, bei jeder Kontrolle bis nach Brasilien, eine Busse bezahlen müssten. Da uns bei der Einreise nach Bolivien der Zöllner versicherte, dass wir alle nötigen Unterlagen besitzen um ohne Probleme durch das Land zu fahren, leuchtet es mir nicht ein, nun Geld auszugeben für etwas das nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Ich recherchiere im Internet und in den Gesetzesbüchern… Natürlich alles auf Spanisch… Ich verzweifle bei den Gesetzestexten auf Deutsch schon fast und nun das Ganze in einer Fremdsprache! Doch irgendwie schaffe ich es dann doch und sehe, dass dieses Dokument nur notwendig ist, wenn man mit einem LKW und Anhänger unterwegs ist. So schreibe ich das raus, mit dem Link zum Gesetzestext und noch einige Zeilen dazu, warum wir es nicht benötigen und es „unter aller Sau“ sei, so sich bereichern zu wollen. So gewappnet machen wir uns los.

Einige Kilometer vor der angegebenen Kontrolle wird mir dann doch ein wenig mulmig. Einige Reisende wurden deswegen schon einen Tag ins Gefängnis gesteckt, da die Polizisten es als Beamtenbeleidigung und Widerstand gegen die Polizeiarbeit einstuften, als sie sich gegen diese Korruption wehrten.

Wir werden angehalten und Mister RoadTrip muss mit den Beamten in ein kleines Häuschen rein. Dort wird er ausgefragt und sie wollen alle Unterlagen sehen. Da alles seine Richtigkeit hat und nichts fehlte, wird er wegen dem „speziellen Dokument“ gefragt. Mister RoadTrip erwidert dabei freundlich aber bestimmt, dass wir das nicht brauchen, da wir kein LKW mit Anhänger haben. Sie merken, dass das offensichtlich bei uns nicht klappt. Nun verlangen die Polizisten, dass Mister RoadTrip ihnen die Apotheke, die zwei Pannendreiecke und den Feuerlöscher holt. Mister RoadTrip schüttelt den Kopf und sagt ihnen, wenn sie das sehen wollen, müssten sie mit nach draussen kommen und es sich beim Wagen anschauen. Erst wollen die Polizisten nicht, doch Mister RoadTrip macht keine Anstalten, die von Ihnen gewünschte Ware zu holen. Sie geben nach und kommen zum Wagen. Feuerlöscher ist in Ordnung, Pannendreieck haben wir drei und nicht nur zwei. Keine Möglichkeit uns zu büssen. Doch die Apotheke… Da fehle bestimmt etwas. Nun… Die Apotheke ist funkelnagelneu und noch eingeschweisst. Was soll da fehlen, frage ich ihn. Der Polizist ist sichtlich genervt. Tja Satz mit X, war wohl nix! Mister RoadTrip muss nochmals in das Häuschen um unsere Unterlagen zurückzuholen. Dort wird er noch darauf hingewiesen, dass es normal sei, etwas in die Kaffeekasse zu werfen. Mister RoadTrip überhört das, nimmt die Papiere und wir können weiterfahren. Nochmals gut gegangen…

Unterbodenwäsche für Stitch

Der Verkehr wird immer dichter. Wir kommen langsam aber sicher in Stadtnähe. Es wird links und rechts überholt, gehupt, abrupt gebremst und wir wollen am liebsten weg von der Strasse. Uns wurde ja empfohlen durch die Stadt zu fahren, doch wir ziehen den Fluss vor! Schlimmstenfalls können wir immer noch wieder wenden. So fahren wir Richtung Fluss. Er ist breit, und schmutzig, so dass wir nicht sehen, wie der Untergrund ist. Vor uns fährt ein LKW durch. Wir beobachten ihn ganz genau, schätzen den Wasserstand ab und ja, wir wollen es versuchen. Falls es schief geht, sind wir nicht allein. Viele Baumaschinen sind hier versammelt. Irgendeiner wird uns hoffentlich rausziehen können.

Wir fahren los. Links und rechts spritzt das Wasser nur so hoch. Schnell den Scheibenwischer an, damit wir freie Sicht nach vorne haben. Zum Glück ist unsere Schiebetür einigermassen dicht. Da es Vertiefungen hat durch den Fluss, kommt das Wasser höher als gedacht. Der Lüfter gibt alles, Stitch sowieso und dann… haben wir es auch schon geschafft! Jetzt müssen wir nur noch dem Trampelpfad zu der Farm folgen. Durch weichen, losen Sand geht es einige Kilometer und da steht die Farm. Wunderschön abgelegen und doch so nah bei Santa Cruz.

Frische Kokosnüsse, Mandarinen, Zitronen und vieles mehr, dürfen wir nach Herzenslust pflücken. Schnell sind wir aufgenommen in die Familie. Wir kochen gemeinsam, diskutieren über Gott und die Welt besuche Santa Cruz und schnell ist eine Woche vorüber. Wir wollen schon längst weiter sein, doch das ist unser Luxus den wir geniessen: Solange zu bleiben wie es uns gefällt, ohne Zeitdruck und ohne schlechtem Gewissen.

Aguas Calientes/Los Hervores

Unser Ziel ist Cochabamba, Brasilien. Doch erst geht es durch Santa Cruz… Meine Nerven!

Zum Glück ohne grossen Zwischenfälle. Auf dem Weg nach Brasilien übernachten wir noch vier Mal. Ein Ort hat mir ganz besonders gut gefallen. Aguas Calientes/Los Hervores! Ein warmer Fluss mit Blubberblasen und kleinen Fischen, die die abgestorbene Haut am Körper abnagen. Hört sich gruselig an, doch es ist Wellness pur. Anfangs hab ich mich ein wenig erschrocken. Die Fische sind nämlich in ganzen Schwärmen auf mich und Mister RoadTrip zugeschwommen. Doch schnell geniessen wir das knabbern. Es ist auch eher nur ein Kitzeln.

Tiefenentspannt geht es nun langsam aber sicher Richtung Grenze. Zum Glück haben wir uns diesen „Luxus“ gegönnt! Unsere Nerven werden an der Grenze zu Brasilien ein klein wenig strapaziert…

Wie kommen wir aus Bolivien raus

Erst müssen wir uns aus dem Land abmelden. Stempel rein, wir sind draussen. Dann marschieren wir zum Gebäude der Aduana um unseren VW Bus aus dem Land zu schaffen. Ein ganz normaler Ablauf… Eigentlich! Doch bei der Aduana stehen wir erst einmal an. Nachdem schon einige Zeit vergangen ist, kommen wir nun endlich an die Reihe. Es wird jetzt nicht etwa ausgestempelt, nein, wir müssen eine Kopie von unserem Reisepass machen lassen, mit dem Ausreisestempel und eine Kopie der temporären Einfuhr des VW Buses. Das können die Beamten in ihren Büros, mit unzähligen Druckern und Computern an denen niemand arbeitet, selbstverstädlich nicht. Die müssen sich um die neuesten Sprachnachrichten auf ihren Mobiltelefonen kümmern. Ist auch absolut nachvollziehbar! So verlassen wir das Gebäude wieder, gehen auf die andere Strassenseite in einen Copyshop, machen die gewünschten Kopien und gehen wieder zurück.

Alle Papiere inklusive des originalen Passes werden eingesammelt. Es sind nun etwa 20 Leute, die mit ihrem Fahrzeug über die Grenze nach Brasilien wollen. Wir müssen jetzt alle wie die Schäfchen, mit einer Zollbeamtin nach draussen gehen, um unsere Fahrzeuge zu kontrollieren. Ich gehe erst noch zu ihr hin und frage sie, ob wir auch in der richtigen Schlange stehen, wir wollen ausreisen und nicht einreisen. Doch diese versichert mir, dass habe schon seine Richtigkeit so. Nun, da uns nichts anderes übrigbleibt, trotten wir in der Herde hinter ihr her.

Jedes einzelne Fahrzeug wird nun nach der Chassisnummer kontrolliert. Für einige ist das alles nicht so toll, da sie das halbe Fahrzeug auseinandernehmen müssen. Nicht alle haben die Nummer sichtbar irgendwo stehen.

Nachdem es einige Probleme mit Einheimischen gegeben hat, und diese nun nicht über die Grenze dürfen, …warum auch immer… sind wir nun endlich an der Reihe. Selbstverständlich hatte es nicht Platz für alle vor dem Gebäude und wir mussten woanders parken. Das stellt sich nun als Problem heraus für die liebe Frau, da sie nicht auf die andere Strassenseite gehen mag. Ist auch wirklich zuviel verlangt von uns! Wir müssen unseren Stitch von der gegenüberliegenden Seite, vor das Zollgebäude fahren. Nun was macht man ja nicht alles für die lieben Beamten. Gesagt, getan! Sie überprüft unsere Papiere und Chassisnummer, macht ein Foto vom Bus und dann können wir endlich gehen. Wie lange alles in allem gedauert hat, weiss ich nicht mehr. Es war aber auf jeden Fall der längste Prozess den wir bisher durchmachen mussten.

ADIOS BOLIVIA Y BOM DIA BRAZIL

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