Wochenende! Schönes Wetter und verstopfte Autobahnen… Wohin nun?
Wir überlegen nicht lange und wissen, wir wollen in die Höhe, wo es einige Grade kühler ist. Man nehme noch einen See dazu und schon ist das Ziel entschieden. Es geht ins schöne Glarnerland, an den Klöntalersee.
Klöntalersee
Der Klöntalersee ist ein Natursee, der durch einen Bergsturz entstand. Er liegt auf 848 MüM und hat eine Fläche von circa 3,3 km2. Seit 1908 wird der See für die Gewinnung von Elektrizität genutzt. Der Klöntalersee ist der älteste grössere Speichersee der Schweiz.
Bevor es die Eismaschine gab, wurde gewerbsmässig Eis aus dem zugefrorenen See abgebaut. Das letzte Mal im Jahre 1953.
Da man nicht frei stehen kann, müssen wir auf einen der zwei Campingplätze. Es gibt den Camping Güntlenau der am vorderen Seebereich ist und den Camping Vorauen. Der befindet sich am hinteren Seeufer. Beide Plätze haben keinen Strom, ausser wenn man aus medizinischer Sicht darauf angewiesen ist. Maximal aber zwei Stellplätze die Stromanschluss haben.
Die Campingplätze sind hervorragend als Homebase geeignet.
Was kann man alles rund um den Klöntalersee unternehmen?
Klöntalersee im Winter
Eis-Tauchen
Von Januar bis März kann im Klöntalersee getaucht werden. Was man auf 40 Meter Tiefe alles vorfindet bleibt ein Geheimnis der Taucher.
Schlittschuh laufen
Auf Natureis nochmals eine andere Herausforderung als in einer Halle.
Eisklettern
Man geht über die Staumauer, danach Richtung Schwammhöchi und beim Waldrand eine kurze Forststrasse Richtung Tschingel hoch. Am Ende der Strasse auf der Höhe bleiben und südwestlich traversieren. So kommt man zum Einstieg. Es gibt mehrere Linien von 15 bis 40 Metern.
Klöntalersee im Sommer
Angeln
Durch das Freiangelrecht im Klöntalersee, kann jeder angeln ohne Patent. Einzige Regeln die eingehalten werden müssen ist: Maximal eine Angelrute und nur mit einem einfachen Haken. Köder muss natürlich sein. Wurm, Bienenmade oder ähnliches. Nicht vom Boot, nur vom Ufer aus gestattet.
Biken, Kanu fahren, schwimmen und wandern gehören auch zu den Aktivitäten die man ausüben kann.
Wandern
Es gibt verschiedene Wanderrouten, von einfach bis anspruchsvoll und somit geeignet für alt und jung.
Im Jahre 2008 habe ich dort meine Bergsteiger Grundausbildung gemacht mit wandern, klettern, Gletscherbesteigung, Gletscherspaltenrettung und einiges mehr. Doch diesmal nehmen wir es ein wenig gemütlicher und machen einen Teil der See-Umrundung. Mister RoadTrip will unbedingt zu dem Wasserfall um einige Luftaufnahmen zu machen.
Wir schultern unsere Einkaufstaschen (andere nehmen für sowas Rucksäcke) und versuchen den See beim Zufluss des Schmelzwassers zu überqueren, um auf die andere Seite zu kommen. Doch die Strömung ist zu stark und das Wasser zu kalt. So nehmen wir den vorgegebenen Weg. Dazu verlässt man den Campingplatz und geht die Strasse weiter hoch bis zur Brücke. Diese überquert man und schon ist man auf der anderen Seite. Ja so einfach geht das…
Schon nach einigen Schritten sind wir auf dem Wanderweg und tauchen in den schattenspendenden Wald ein. Bei diesem schönen Wetter sind wir nicht alleine auf dem Weg, doch es könnte schlimmer sein. Wenn man auf den Mount Everest will, steht man länger an! (Weiss ich genau, habe ich im TV gesehen!) Wir bestaunen auf dem Weg kleine Wasserfälle, schöne Steine und immer wieder die Aussicht auf den See. Schon bald hören wir ein fernes Rauschen und wir wissen, der Wasserfall kann nicht mehr weit weg sein. Noch einige Steigungen und Biegungen und schon spürt man die Gischt des Wasserfalles im Gesicht. Die Temperaturen sinken schnell von angenehm warm zu zähneklapperndem Schüttelfrost. Es ist nicht nur das eiskalte Schmelzwasser das herunter donnert und uns eine kostenlose Dusche beschert, nein es liegt auch noch Schnee! Ein Schneefeld taucht aus dem Nichts vor uns auf.
Ich lasse Mister RoadTrip das Ganze bestaunen und mache mich schnellstens auf den Weg in die Sonne. Durchs Unterholz an das Seeufer. Von gefühlten Minus 20 Grad auf 30 Grad in einer Minute! Ha, wo erlebt man sowas noch, ausser am Klöntalersee?
Trotz einiger Menschen auf dem Weg, verweilen sehr wenige Leute am Ufer des Sees, so dass wir schnell eine Feuerstelle für uns einnehmen können. Mann holt Feuerholz, Mann hat Feuer gemacht! Frau geniesst die Aussicht und geht noch einige Fotos schiessen.
Essen, relaxen und eine wunderschöne Umgebung! So lässt es sich aushalten…
Doch irgendwann fangen die Steine an mein Hinterteil zu piksen und auch nach verschiedenen Sitzpositionen wird es nicht besser. Hinzu kommen die Spiderman Raupen, die sich vermehrt abseilen. Im meine Haare, um zu kuscheln oder was auch immer… Als hätten die Steine und die Raupen nicht gereicht, fängt der Baum an Wassertropfen von den Blättern rutschen zu lassen. Hilfe! Die Natur, sie greift uns an! So beschliessen wir, uns wieder auf den Rückweg zu machen.

Der Rückweg wurde natürlich nicht wie gedacht über den Wanderweg zurückgelegt. Nein das wäre zu langweilig gewesen, haben wir ja schon gesehen… Es geht über den Zufluss vom Schmelzwasser in den See ans andere Ufer. Erinnert ihr euch an den Anfang? Vonwegen reissende Strömung und so? Ja genau, wir mussten durch genau diese um auf die andere Seite zu kommen. Eiskaltes Wasser, rutschiger Untergrund, manchmal so schlammig, dass man bis zu den Knien einsinkt, aber wir müssen natürlich dort rüber. Ich sehe mich schon als schlammiger Eisblock 400 Jahre später, an einem Lagerfeuer auftauen. Der Ötzi aus dem Klöntalersee! Glück gehabt! Wir können den Zufluss irgendwie überqueren ohne ins Wasser zu fallen. Fast erfrorene Füsse und Beine! Mir wurde gesagt, dass das gesund sei… Wie eine Kneipp Kur… Na ja, ich hätte gerne darauf verzichtet, doch ich habe überlebt und nur das zählt, nicht wahr?
Zur Orientierung: Es war ein wunderschönes Wochenende in den Bergen, am See und tollen Menschen. Wirklich zu empfehlen! 😉




