Offroad fahren im Süden von Chile

RoadTrip-GirlChile, Offroad, Welt bebummeln/Reisetagebuch 4 Comments

Schlammpisten, Schotter, Lava all das und noch viel mehr bietet der Süden von Chile. Das sich Mister RoadTrip darüber freut muss ich eigentlich nicht erwähnen.

Doch wo findet man solche Pisten?

Die Carretera Austral bietet ganz viele Kilometer Schotter. Irgendwann wird es fahrtechnisch langweilig. Die dritte Fährverbindung nach Puerto Montt lassen wir sein und haben die Hoffnung, wenn wir aussen rum fahren, gäbe es vielleicht ein etwas anspruchsvolleres Terrain zu befahren. Dem war nicht so, doch die Landschaft entschädigt uns um so mehr.

Schotterpiste geht nun über in Asphalt. Landschaftlich auch hier wieder wunderschön doch wo sind nur diese Offroad Pisten…

Von den Termas Geometricas nach Pucón

Nach einem Tag in einer riesigen Thermenanlage in Pucón, den Termas Geometricas, sind wir tiefenentspannt. Verschiedene Becken mit Wasser von 37 bis 45 Grad laden zum relaxen ein. Man kommt sich vor wie in Dschungel. Pflanzen ranken sich am Vulkangestein entlang. Kolibris flattern umher und ein hoher natürlicher Wasserfall von 9 Grad Wassertemperatur tost herab. Mister RoadTrip muss natürlich da drunter stehen. Mir reicht es, nur mit den Füssen rein zu gehen.

Nach den Thermen könnten wir wieder den Weg zurück den wir gekommen sind oder durch einen Park aussen rum nach Pucón. Wir entscheiden uns für aussen rum. Es ist ein enger Weg. Teils aus Schotter und teils aus Erde. Da es immer wieder einmal geregnet hat, ist die Erde ein wenig aufgeweicht. Wir kommen um eine Kurve und vor uns steht ein Ranger mit seinem Pickup, an dem ein gerissenes Abschleppband hängt. Er winkt uns zu sich und teilt uns mit, dass weiter oben ein anderer Pickup steht und Mühe hat, den steilen Weg nach unten zu fahren. Wir sollen einen Augenblick warten. Er fragt auch, ob wir sicher sind, dass wir dort hoch wollen. Dabei schaut er unseren Dicken skeptisch an. Mister RoadTrip freut sich schon da rauf zu fahren. Ich will mir das noch genauer ansehen und laufe den Weg zu Fuss hoch. Durch den Regen hat es richtige Löcher in der Strasse. Der Fahrer vom Pickup steht oben und ist ganz blass im Gesicht. Langsam rutscht er nun runter aber man sieht ihm an, dass er jetzt lieber woanders wäre. Unten angekommen spricht er noch einige Worte mit Mister RoadTrip. Nun hat sich schon eine kleine Menschenmenge eingefunden, die helfen wollen, falls es nicht geht.

Mister RoadTrip fährt los und zieht mit Stitch an allen vorbei. Jedes Mal wenn ein Rad in der Luft ist, höre ich hinter mir ein Aaah und Oooh. Vorsichtig und mit Bedacht bringt Mister RoadTrip den Dicken nach Oben.

So etwas ist ganz nach Mister RoadTrips Geschmack.

Nach einigen Tagen und wieder einmal Internet, lese ich bei majanta.net von einer Strecke die erst durch einen schmalen Tunnel geht und danach soll es eine wirklich anspruchsvolle Strecke sein mit heftigen Passagen und zum Schluss eine Flussdurchfahrt. Sie haben nach einigen Kilometern wieder gewendet und seien sie nicht gefahren. Ich kann meinen Mund nicht halten und berichte Mister RoadTrip davon. Eigentlich sollte ich es wissen, das ihn so etwas anspornt es auch zu versuchen.

Vom Vulkan Lonquimay nach Casas de Guallali

Wir übernachten auf dem Vulkan Lonquimay, bevor es dann auf den Weg nach Casas de Guallali geht.

Die Landschaft ist so unwirklich und wunderschön! Mister RoadTrip will noch einige Aufnahmen unterwegs machen und so fahre ich unseren Stitch. Über Lava und teils über Frost geht es nach unten. Kaum unten angekommen geht es wieder steil nach oben. Unterwegs kommen wir an kleinen Lagunen vorbei.

Der Weg wird immer schmaler und bald kommen wir an die Verzweigung nach Casas de Guallali. Langsam wird mir ein wenig mulmig, da der Weg von grossen Pfützen bedeckt ist und ich nicht weiss wie tief die sind. Doch alles im grünen Bereich.

Tunnel oder Höhle

Kaum dass ich mich davon erholt habe, kommt der Tunnel. Mehr eine Höhle und stockdunkel. Immer wieder frage ich Mister RoadTrip, ob ich auf seiner Seite auch genügend Platz habe. Zum Glück leiden wir beide nicht unter Platzangst!

Endlich zum Tunnel raus, fahre ich noch einige Kilometer. Als wir dann aber auf Radfahrer treffen, mit ihnen ein wenig plaudern und diese uns erzählen, dass der Weg so richtig übel sei, lasse ich Mister RoadTrip wieder ans Steuer.

Opfergabe

Bevor wir nun richtig losfahren, kommen wir an einem kleinen Heiligenschrein vorbei. Wir sind nicht abergläubisch oder so, doch hier finden wir es passend, etwas von uns zu „opfern“ und ich lasse eine Haarspange in Form einer Blume hier. Das Ziel ist, Sie nicht mehr mitnehmen zu können respektive umdrehen zu müssen.

Offroad und Adrenalin

Wir kommen gut voran. Es ist anspruchsvoll doch machbar. Ab und an mal ein Rad in der Luft, doch alles kalkulierbar. Bis… ja bis Kurve Nummer X kommt. Es rutscht und quietscht. Die Räder suchen halt und es rumpelt. Doch nach wenigen Sekunden schafft es Mister RoadTrip uns wieder auf den Weg zu bringen. Ein wenig erschrocken schaue ich ihn an, doch ich sehe nur ein Grinsen in seinem Gesicht. Alles gut! Kaum habe ich den ersten Schreck überwunden, kommt schon die nächste Kurve. Riesige Löcher in der Strasse, die Erde ist nass und es geht steil nach oben. Wir schaffen es bis in die Hälfte der Kurve und dann dreht das vordere linke Rad durch. Die zweite Sperre ist nicht drin. Wir rutschen rückwärts ins Loch und Stitch wird es zu bunt und lässt den Motor ausgehen. Schnell lässt Mister RoadTrip ihn wieder an, macht die zweite Sperre rein und versucht es auf ein neues. Mit gut zureden schafft er es, Stitch wieder aus dem Loch raus zu fahren. Ich seh nur noch Abgrund vor mir und kneife meine Augen zu. Irgendwie hat uns Mister RoadTrip wieder heil da rausmanövriert, doch ich brauch erst mal eine kleine Pause. Eigentlich reicht es mir nun mit den Adrenalinschüben.

Die restliche Strecke schaffen wir ohne grosse Zwischenfälle. Unser Glück ist auch, dass kein anderes Fahrzeug entgegen kommt. Kreuzen oder zurücksetzen ist fast unmöglich. Wir stehen nun auf einer Wiese und müssen uns anhand der Karte einen Weg zum Fluss suchen. An einigen Stellen ist die Wiese überflutet und der Untergrund weich. Doch das können wir umfahren. Jetzt liegt nur noch die Flussdurchquerung vor uns. Ich hoffe im Stillen, dass der Wasserstand nicht zu hoch und die Strömung nicht zu reissend ist. Den ganzen Weg zurück deswegen mag ich mir lieber nicht vorstellen.

Wir fahren um die letzte Biegung und sehen den Fluss vor uns!

Yeah! Nicht zu breit, nicht zu tief und auch die Strömung passt!

So kommen wir glücklich und unversehrt, nach vielen Offroadkilometern, am Ziel an.

Wo die nächste Strecke hinführt? Erst mal relaxen…

Comments 4

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  1. Super Bericht, kann mir grad das Grinsen von Mr. Roadtrip vorstellen. BrummBrumm und weiter gehts. Viel Spass euch zwei und gute Fahrt.

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