Roadtrip England: Von Surfern, Beamten und französischen Barkeepern

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Nachdem wir nun genug von den Mythen hatten, wollten wir nach Bristol an den Strand. Es hiess, dass dort der Hotspot fürs surfen sei und das wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Donnerstag (Tag 12)

Wir packten unsere Sachen zusammen, Fahrräder und Sonnenschute wieder aufs Bett verfrachtet, alles andere an den Ort wo es hin gehört und machten uns auf den Weg. Wir fuhren alles auf der Landstrasse und genossen die Landschaft.

In Bristol angekommen, sah es aber schlecht aus für eine Surfsession. Ich konnte zu der Zeit noch nicht surfen und wollte es gerne lernen. Nun war es aber so, dass es richtig kalt war, der Regen setzte ein, und auch der Surfshop hatte geschlossen. Wir parkten an der Strasse und sahen, wie zwei mutige Surfer sich in die Wellen schmissen. Elegant nahmen sie eine Welle um die andere, doch nach einer halben Stunde packten auch sie ihr Zeug wieder zusammen und verliessen den Strand.

Es war noch früh am Morgen und wir suchten uns ein Plätzchen, um hier vielleicht unsere letzte Nacht zu verbringen. Nach einigem hin und her fahren, hatten wir uns dann entschlossen, Richtung Dover zu fahren, damit wir am nächsten Tag die Fähre nach Calais nehmen konnten.

Englische Beamte

So machten wir uns also auf den Weg. Wir hatten aber nicht damit gerechnet, dass wir so zügig vorankommen würden. Besonders in der Nähe von London, als der Verkehr immer dichter wurde, rechneten wir damit, irgendwo auf einer Raststätte übernachten zu müssen. Doch wir hatten uns geirrt und kamen schnell durch das Gewirr.

So kam es, dass wir die letzte Fähre nehmen konnten. Meinten wir zumindest! Wir fuhren zum Tickethäuschen wie wir es in Holland gemacht hatten und wollten eine Boardkarte kaufen. Dass das in England nicht geht, wussten wir natürlich nicht. Klar hätten wir uns informieren können, doch daran dachten wir natürlich nicht. Die nette Dame im Häuschen wies uns darauf hin, dass man hier nur mit einer Boardkarte anstehen würde. Da aber eine riesige Schlange an Fahrzeugen hinter uns war, konnten wir schlecht einfach wieder zurückfahren. Sie liess uns mit Begleitung ins Zollhaus fahren, wo wir unser Glück versuchen könnten. Es sei aber sehr unwahrscheinlich, dass wir noch einen Platz bekommen würden, meinte sich noch zu uns.

Vor dem Zollhaus parkten wir unseren Bus und hofften auf einen Platz auf der Fähre. Die Beamten grüssten uns, doch es war das erste mal in England, dass wir mit grimmigen Blicken bedacht wurden. Sie kontrollierten unsere Pässe, flüsterten miteinander und warfen uns immer wieder ernste Blicke zu. Mir wurde es langsam unbehaglich zumute und wünschte mich irgendwohin, nur nicht im Hier und Jetzt zu sein. Wer weiss was sie mit uns vorhatten!

Nach fast einer Stunde wurden wir aufgefordert nach Vorne an den Schalter zu kommen. Wir bekamen unsere Fahrzeugpapiere und unsere Pässe zurück. Doch die Boardkarte für die Fähre gab es leider nicht. So wurden wir einfach stehen gelassen. Wir wussten nicht, wie es nun weitergehen sollte. Wir konnten nicht auf dem Hafengelände bleiben. Raus konnten wir auch nicht, da es mit meterhohen Zäunen eingeschlossen war. Wir fragten nochmals nach, was wir denn nun machen könnten. Genervt meinte die Beamtin, dass wir das wohl selber wissen müssten. Ich liess nicht locker und fragte sie nach einer anderen Möglichkeit. Da meinte sie, es hätte noch Platz auf der Fähre nach Dünkirchen. Die würde in einer Stunde ankommen und wir könnten nach Belgien verschiffen.

Damit waren wir zufrieden und lösten unser Ticket für Dünkirchen. Plötzlich war auch die Beamtin nett und zuvorkommend. Keine Ahnung weshalb sie in Sekunden von grimmig auf freundlich machte. Vielleicht war sie froh, dass sie uns los war wenn wir ein Ticket bekämen.

Wir reihten uns ein, um auf die Fähre zu kommen und waren glücklich, dass es doch noch geklappt hatte.

In Dünkirchen angekommen, suchten wir die Autobahn oder Schnellstrasse nach Frankreich, was nicht so einfach war. Es war mitten in der Nacht und die Strassen wurden neu gemacht. So fand unser Navi kein uns behilfliches Strassennetz. Angeschrieben war auch noch keine Strasse oder Abfahrt. Im Kreisel die erste Abfahrt genommen, standen wir vor einem Tor das verschlossen war. Wieder zurück, die zweite Ausfahrt raus, dort kamen wir durch ein Dorf, das völlig heruntergekommen war und auch nicht wirklich bewohnt aussah. Wir kehrten wieder um und fuhren einfach einem Auto mit französischem Kennzeichen nach. Viel schlimmer konnte es ja nicht mehr kommen. Wie es sich herausstellte, war es wirklich eine gute Wahl, denn wir kamen schnell auf die Autobahn und lernten die Strassen Frankreichs kennen.

Nach einigen zurückgelegten Kilometern, wollten wir uns einen Platz zum Übernachten suchen und bald kam auch schon die nächste Raststätte. Mister RoadTrip war aber nicht so begeistert, da wir schon von anderen Reisenden erfahren hatten, dass es in Frankreich und Spanien nicht so empfehlenswert sei, einfach irgendwo zu übernachten.

Es gab Geschichten, dass dreiste Diebe Schlafgas ins Auto lassen, um die Opfer so zu betäuben. Während diese weggetreten sind, würde alles was sich lohnen könnte, aus dem Fahrzeug geklaut.

Während sich Mister RoadTrip noch überlegte, wie er uns vor Schlafgas retten könnte, machte ich mich ans Betten machen. Fahrräder nach vorne und die Sonnenschute natürlich auch. Wir hatten ja schon Übung darin.

Da wir gleich neben dem Eingang des Tankstellenshops standen, war alles hell beleuchtet und ich machte mir da keine Gedanken. Schnell noch auf die Toilette, Beisserchen geputzt und ab ins Bett. Schön eingemummelt und fast schon im Land der Träume, höre ich, wie ein Auto neben uns parkt. Mister RoadTrip hellwach, brummt neben mir und schaut durchs Fenster. Jederzeit bereit, den bösen Dieben mit irgendetwas eine überzubraten. Irgendwann schlief ich tief und fest und als ich wieder erwachte, lag Mister RoadTrip angezogen mit der Grillzange neben mir. Ich weiss nicht, ob die Grillzange wirklich was gebracht hätte, doch es ist ja nicht passiert.

Freitag (Tag 13)

Im Shop wollte wir uns noch Kaffee und etwas zu Essen holen, bevor es dann nach Hause ging. Ich wollte Kaffee bestellen, doch der junge Mann hinter dem Tresen beachtete mich nicht. Mister RoadTrip meinte, vielleicht verstehe er mein Französisch nicht. Da ich weiss, dass mein Französisch gut ist, wusste ich, er wollte mich nicht hören. Ich wiederholte meine Bestellung nochmals laut und deutlich. Er schaute mich an und ignorierte mich weiterhin.

Wenn ich eins nicht ausstehen kann, ist es am Morgen VOR dem ersten Kaffee, so etwas erleben zu müssen. Da werde ich zur Furie!

Ich fluchte wie ein Bierkutscher, nahm eine Tasse und machte mich auf den Weg hinter den Tresen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schnell der Junge nun auf mich zukam, mir die Tasse aus den Händen nahm und unsere Kaffees rausliess. Er entschuldigte sich bei mir und meinte, die Touristen die von England kämen, seien immer so arrogant und überheblich, das wolle er ihnen so zurückgeben. Ich schüttelte nur den Kopf und mochte mich auch nicht wirklich dazu äussern. Doch für mich hatte Frankreich einen dicken Minuspunkt mehr auf der Liste.

Gestärkt fuhren wir auf direktem Weg zurück in die Schweiz. Ich hatte keine Lust mehr noch länger in Frankreich zu bleiben und war froh, über das nette „Grüäzi“ in der ersten Raststätte in der Schweiz!

Das war nun der letzte Teil unseres England Roadtrips. Ich denke es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir auf der Insel waren. Es gibt noch so viel zu entdecken und zu erleben. Ich kann es jedem nur empfehlen! Nun würde ich gerne von euch wissen, wie es euch in Frankreich ergangen ist. Habe ich ein falsches Bild von Frankreich?

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Comments 6

  1. Hey Veronica,

    erstmal vorweg: Euer Englandtrip hat uns gut gefallen.
    Das mit Frankreich ist so eine Sache… das ’nicht mit uns reden‘ ,weil wir kein französisch sprechen, kennen wir durch die Arbeit. Gerade im Norden Frankreichs haben wir einen gewissen Missmut ,uns deutschen gegeüber, zu spüren bekommen.
    Auf der anderen Seite haben wir schon tolle Zeiten in Südfrankreich verbracht und hatten dort überhaupt keine Probleme. Gerade die Gegend um die Ardeche gefällt uns besonders gut. Dort war immer alles cool.
    Auch an der Atlantikküste ist uns sowas noch nie begegnet. In Paris allerdings schon mehrfach.
    Wir werden trotzdem in absehbarer Zeit einen Roadtrip an der Nordsee / Atlatikküste entlang machen.

    Lasst euch von ein paar Miesmachern ein tolles Land mit lecker Essen und super Wein nicht madig machen.

    Gruß

    Vasco

    1. Post
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      Hallo Vasco

      Vielen Dank für deinen Erfahrungsaustausch zu Frankreich. Irgendwann werden wir wahrscheinlich noch einmal nach Frankreich fahren, da wir doch einiges Gutes von Südfrankreich gehört haben, nur wird das Land sicherlich nicht zuoberst auf der Liste stehen.

      Wie hattet ihr es mit der Sicherheit? Stimmen diese Geschichten die man so hört und die erzählt werden oder ist das eher Panikmacherei?

      Bin neugierig wie euer Roadtrip sein wird!

      Liebe Grüsse
      Veronica

  2. Hey,

    das Thema Sicherheit haben wir mal zusammengefasst:
    http://www.hannibal-on-tour.de/sicherheit-unterwegs-im-wohnmobil/
    Und wie wir unser Fahrzeug gesichert haben:
    http://www.hannibal-on-tour.de/schutz-diebstahl-im-wohnmobil/

    KOMMA ABER wir haben noch nirgendwo schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn man ein paar Grundregeln beachtet und ein wenig auf sein Bauchgefühl vertraut sollte eigentlich alles gut gehen. Garantien gibt es dafür natürlich nie. Aber Angst überfallen zü werden hatten wir nur 1x Nachts im Rumänien. Das war etwas finster und würden wir so auch nicht wieder machen.

    Die Geschichte mit dem Gas halte ich für ein absolutes Horrormärchen! Wir kennen niemanden und haben auch noch niemanden getroffen, dem das selber passiert ist. Jeder hat nur mal von jemanden gehört der jemanden gekannt hat …. hier soll Geld mit der Angst der Menschen verdient werden.

    Wir sichern unsere Türen zusätzlich mit einer Kette (2Ringösen in den Türen). So sind sie von außen nicht mehr so leicht zu öffnen. Wer dann rein möchte muss durchs Fenster. Bei Hannibal braucht es dazu aber eine Trittleiter.

    Wir glauben und hoffen, das unsere Busse einfach nicht nach reicher Beute aussehen. Und versuchen diesen Eindruck auch zu vermeiden.

    Gruß

    Vasco

    1. Post
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      Deine Tipps habe ich mir schon durchgelesen. Ich hatte ja auch eine Blogparade dazu und ehrlich gesagt mach ich mir nicht so einen Kopf drum.

      http://roadtripgirl.ch/11-tipps-fuer-sicherheit-auf-reisen/

      Nur kenne ich persönlich jemandem dem das passiert ist, als er mit seinem LKW unterwegs war. Von „normal“ Reisenden noch nie, daher war ich neugierig ob ihr auch jemanden kennt dem das passiert ist, da ihr ja mehrmals schon in der Gegend unterwegs wart. ☺
      Demfall ist es nicht so schlimm wie alle erzählen.

      Liebe Grüsse
      Veronica

    1. Post
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