Uruguay mit VW Bus erleben und bereisen 6

RoadTrip-GirlUruguay, Welt bebummeln/Reisetagebuch 5 Comments

Wir sind wieder unterwegs. Das Entschleunigen haben wir irgendwie noch nicht so ganz raus, doch wir sind auf dem besten Weg. Nach den zwei Nächten am See, zieht es uns weiter. Mit dem Gefühl, wir wollen noch soviel sehen, wir müssen jetzt weiter.

Wir fahren alles Richtung Westen. Die Gegend verändert sich nicht mehr gross und so legen wir Kilometer für Kilometer zurück. Immer weiter und weiter… Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu und wir übernachten vor einer Schule neben der Hauptstrasse. Nicht besonders ruhig, da auch viele LKWs die Strasse befahren, doch besser als nichts. Morgens aufgewacht, weiss ich, das wird ein Tag den man aus den Kalender streichen kann. Ich fühle mich schlapp und die rohen Zwiebeln rumoren in meinem Magen. Ich bin super sensibel und mag nur noch weg von der Schule. An einen Ort, an dem ich auf die Toilette kann, ohne das Gefühl zu haben, von allen Leuten beobachtet zu werden. So wecke ich Mister RoadTrip und klar ist der nicht erfreut darüber, doch mein Bedürfnis ist mir wichtiger und so startet der Morgen nicht gerade mit Glitzerstaub und Einhorngedings…

Nach einiger Zeit beruhigen sich unsere erhitzten Gemüter wieder, mir geht es auch wieder besser und so freuen wir uns auf unser nächstes Ziel. Doch erst müssen wir unsere Vorräte aufstocken. So geht unser Weg nach Paysandu in eine grösseren Supermarkt. Während ich einkaufen gehe, bleibt Mister RoadTrip bei unserem Bus. Ich gehe nicht gerne Einkaufen. Da ich mich nicht auskenne in diesen Läden, vergeht einige Zeit, bis ich alle sieben Sachen gefunden habe und wieder rauskomme.

Ein kleines Stück Schweiz in Uruguay

Mister RoadTrip ist neben unserem Bus mit einem mir unbekannten Mann in ein Gespräch vertieft. Neugierig komme ich näher und ich erfahre sogleich, dass das Emanuel ist. Er ist überglücklich uns getroffen zu haben, da er einer Gruppe angehört, die die Geschichte der Schweizer Einwanderer in Uruguay am Leben erhalten will. Voller Stolz erzählt er uns, dass er von Schweizer Abstammung sei und sein Vater und er ein altes Gebäude aus der Zeit der Einwanderung wieder Instand gesetzt haben. Das alles neben der eigentlichen Arbeit und alles von Hand, ohne Hilfe von anderen. Voller Eifer möchte er uns das Gebäude auch gleich zeigen. So geben wir der Bitte nach und folgen ihm zu dem Gebäude.

Es ist wirklich beachtlich, wie Vater und Sohn das verlotterte Haus renoviert haben. Alles deutet auf die Schweiz hin. Ein grosses Schweizer Wappen im einen Raum, ein altes Posterfoto vom Aletschgletscher in einem anderen Raum und eine grosse Landkarte der Schweiz durfte natürlich auch nicht fehlen. Man sieht wirklich wieviel Herzblut darin steckt. Einfach nur schön! Wir erfahren auch, dass ihre Organisation alles ehrenamtlich macht. Man kann verschieden Sprachen lernen, unter anderem auch Deutsch. Kein Schweizerdeutsch, doch immerhin… Auf die Frage, ob er denn auch Deutsch spreche, verneint er nur verlegen und wir belassen es dann auch dabei. Nach vielen Fotos und einem kleinen Geschenk unsererseits (ein Schweizer Taschenmesser), machen wir uns auf den Weg zu den Termas San Nicanor.

Termas San Nicanor

Die Termas San Nicanor. Eine 13 Kilometerlange Schotterpiste führt uns dahin. Stitch mag das Gerüttelt nicht sonderlich und auf dem Weg zeigt er sich zickig. Immer wieder fällt der Drehzahlmesser auf null und dadurch ruckelt es heftig. Wir haben die Strecke doch hinter uns gebracht und sind nun gespannt auf die zwei Pools die es dort hat. Mit warmen und noch wärmeren Wasser aus der Therme. Mister RoadTrip freut sich, wie auch ich mich, aufs planschen! Schnell an die Rezeption, alles ausgefüllt, bezahlt und da kommt dem Platzwart plötzlich in den Sinn, dass er ganz vergessen habe uns mitzuteilen, dass die Pools kein Wasser haben, das sie erneuert werden. Am nächsten Tag sollte dann aber alles in Ordnung sein. Klar das „Morgen“ kennen wir schon. Kann auch heissen, das es erst eine Woche später „in Ordnung“ ist. Wir können es uns aber überlegen ob wir bleiben wollen. Wenn nicht, kriegen wir unser Geld zurück. Ja klar, vergessen! Nach dem ganzen Papierkram denkt er sich doch, wir bleiben eh. Mister RoadTrip versucht noch ein wenig zu verhandeln, damit wir nicht den vollen Preis bezahlen müssen. Leider liess der liebe Mann nicht mit sich reden und so verlassen wir den Ort wieder. Enttäuscht, dass es nun doch nichts wird mit planschen! Doch unsere Enttäuschung ist schnell vergessen, da Stitch meint, er müsse nun wieder mit seinen Zicken beginnen. Wir wollen nur noch auf die Hauptstrasse zurück. Weg von der Holperpiste… Schon sehen wir die geteerte Strasse und hoffen nun, dass es besser wird. Doch weit gefehlt! Er zickt noch mehr rum als zuvor. Der nächste Ausstellplatz ist zum Glück nicht weit und Mister RoadTrip nimmt sich dem Problem an. Zuversichtlich steigt er wieder ein und weiter gehts.

Termas de Guaviyu

Wir wollen nun zu den Thermen von Guaviyu. Nur noch 30 Kilometer trennen uns von unserem Ziel. Nun ja, Stitch mag aber nicht so wie wir und da das Geruckel nicht besser wird, es nimmt eher noch zu, machen wir nun eine kleine Pause am Strassenrand. Mister RoadTrip nimmt sich den Kasten zur Brust in dem das Steuergerät ist. Er murmelt irgendetwas vor sich hin, schraubt ihn an einer anderen Stelle wieder fest und steigt wieder hinten aus dem Bus raus. Nach einer kleinen Stärkung starten wir den nächsten Versuch. Stitch schnurrt wie ein Kätzchen, doch wir bleiben skeptisch. Wir erreichen unser neues Tagesziel ohne gezicke!

Der Camping liegt gleich neben den Thermen. Einige Schritte trennen uns nur, von den fünf Pools mit unterschiedlich warmen Wasser. Es tut sooo gut, in dem Wasser rumzuplanschen und ich will auch überhaupt nicht mehr aus dem Pool raus. So endet der Tag doch noch erfreulich.

Auf dem Camping bleiben wir nun 4 Nächte und geniessen es erstmal. Nachdem wir fast schon Schwimmhäute zwischen den Fingern und Zehen haben, verlassen wir den Ort dann doch. Seufz,… Bye bye Termas…

Meseta de Artigas

Als wir von den Termas San Nicanor nach Guaviyu fuhren, sahen wir ein Strassenschild das auf einen Nationalpark hinwies. Das soll unser nächstes Ziel sein. Anfangs lassen wir den Tourenzähler unseres Busses nicht aus den Augen, doch da wir merken, dass alles so ist, wie es sein sollte, entspannen wir uns. Wir sehen das Schild wieder, das uns auf den Nationalpark hinweist, und biegen ab. Auch hier wieder eine Schotterpiste mit Löchern. Unser Stitch zickt nicht und so fahren wir die Strasse weiter.

Wir gelangen zu einem wunderschönen Aussichtspunkt mit einer riesiengrossen Skulptur auf der die Büste von Artigas steht. Von hier sehen wir nach Argentinien. Der Rio Uruguay ist die Grenze zwischen Argentinien und Uruguay. Immer wieder bekomme ich eine SMS mit der Nachricht:“ Willkommen in Argentinien“. Na nicht ganz… Wir bleiben noch ein wenig in Uruguay… Weitere vier Nächte werden daraus, die wir in Meseta de Artigas verbringen. Ein öffentlicher Campingplatz mit WC und Duschen. Ein Ehepaar bewirtschaftet den Platz die sehr bemüht sind bei Fragen. Wirklich sehr liebe Leute! Dazu steht ein Gebäude auf der anderen Seite, das als eine Art Museum genutzt wird. So wird der ganze Platz noch zusätzlich zu dem Ehepaar von einem Soldaten bewacht. Also sehr sicher hier!

Wir nutzen die Zeit um zu fischen, schreiben, lesen, filmen und zuschneiden des nächsten Filmes. (Die Filme sind auf Facebook unter vierlivier productions zu sehen, da YouTube leider nicht so will wie Mister RoadTrip.) Das Einzige was uns fehlt ist Internet, doch so ganz unglücklich sind wir nicht darüber. So können wir uns wirklich dem widmen was wir wollen. Ohne Ablenkung von aussen. Ich merke dann meist so nach vier bis fünf Tagen, dass es schön wäre wieder einmal im Netz unterwegs zu sein. Mister RoadTrip geht es ähnlich und so versuchen wir, einmal die Woche irgendwo eine Verbindung zu bekommen.

Wo wir unsere Verbindung finden steht in Teil 7 geschrieben. Falls wir sie finden…

Link zum Film

Comments 5

  1. Wo ist die Geschichte mit Dr.med.Gerhard Letzkus ?
    Das ist der interressanteste Mann,den ihr auf eurer Reise kennenlernt !

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