Wieder im Norden von Argentinien

RoadTrip-GirlArgentinien, Welt bebummeln/Reisetagebuch Leave a Comment

Unser ursprünglicher Plan, durch Brasilien nach Uruguay zu fahren, haben wir schnell wieder verworfen. Da wir keine Lust haben, immer nur an Raststätten zu übernachten oder Campingplätze aufzusuchen, haben wir uns dazu entschlossen, einen Abstecher nach Argentinien zu machen und so nach Uruguay zu fahren. Keine einfache Entscheidung. Wie wir von anderen Reisenden erfahren haben, wird die Strecke die wir fahren wollen, von „korrupten“ Polizisten kontrolliert. Nun ja, wir werden bald erfahren ob das so sein wird oder nicht.

Wieder im Norden von Argentinien

Wir wollen zu einer Jesuitenmission und uns die Ruinen anschauen. Die Bekanntesten der 15 argentinischen Reduktionen sind San Ignacio Miní, Nuestra Señora de Santa Ana, Nuestra Señora de Loreto und Santa María la Mayor. (Hier der Wikipedia Link)

Man bezahlt eine Eintrittskarte bei einer der oben genannten Reduktionen und kann mit der Karte die anderen drei auch besichtigen. Da wir uns aber mit einer zufrieden geben, entschliessen wir uns, dass wir nach Loreto fahren. Diese Reduktion ist noch nicht so überlaufen und wir dürfen auch vor den Toren der Ausgrabungen übernachten.

Doch erstmal müssen wir uns auf den Weg dorthin machen. Denn es kommt immer anders als man denkt…

Drogenpolizei mit Spürhund

Wir fahren also von Puerto Iguazú Richtung Süden. Nach einigen Kilometern steht neben der Strasse ein kleines Haus und neben dem Haus, mitten auf der Strasse, zwei uniformierte Polizisten. Klar werden wir rausgewunken. Ich stelle mich schon einmal auf Diskussionen ein und weiss, ich muss immer freundlich bleiben und wenn möglich lächeln.

Der Polizist will wissen woher wir kommen. Wir sagen ihm, dass wir von Brasilien über die Grenze gekommen sind und auf dem Weg zu den Jesuiten Ausgrabungen seien. Der Polizist will von Mister RoadTrip die Papiere sehen und verlangt, einen Blick in den Bus zu werfen. Nebenbei erkundigt er sich, ob wir in Paraguay waren. Wir verneinen. Da meinte er, ob wir sicher nicht in Paraguay waren, das Marihuana sei dort sehr günstig. Mister RoadTrip und ich schauen uns nur ungläubig an und versichern dem Polizisten, dass wir nicht in Paraguay waren. Er nickt nur und will nun einen Blick in den Bus werfen. Zwischen Fahrersitz und Beifahrersitz haben wir einen kleinen Korb mit Snacks, Zigaretten, Getränken und alles was man so braucht auf einer längeren Fahrt für zwischendurch. Der Polizist sieht, dass wir Tabak und Papier dabei haben. Er fragt mich nuschelnd irgendwas und da ich ihn nicht verstanden habe lächle ich ihn an nicke mit dem Kopf und frage ihn, ob er es nocheinmal wiederholen könnte. Mister RoadTrip schaut mich ganz entsetzt an, da ich mit meinem Lächeln und Kopfnicken dem Polizist seine Frage bestätigt habe, die ich nicht verstanden haben. „HABT IHR KOKAIN ODER -NOCHEINMAL- MARIHUANA DABEI?“ Als mir dämmert was ich angerichtet habe, ist es schon zu spät. Nun wird das Handschuhfach durchsucht und alles auseinander genommen. Er winkt seinen Partner zu sich und weist ihn an, den Hund mitzunehmen. Mister RoadTrip und ich sind nun doch ein klein wenig nervös. Wir haben noch Coca Blätter von Bolivien mit im Bus und auch wenn es im Norden von Argentinien eigentlich legal ist, wir sind Ausländer und wenn es auch keine Straftat ist, wer weiss was sich so ein Polizist denkt, wenn er „reiche“ Europäer vor sich hat.

Der Drogenspürhund

Der Polizist wendet sich an mich und sagt mir, dass der Hund geholt wurde und er ihn in den Wagen lassen will um zu erschnüffeln, ob wir Drogen dabei hätten. Das sei ein speziell ausgebildeter Hund der alle Drogen erschnüffeln könne. Ich soll sobald er hier sei, bitte ein wenig vom Bus wegtreten, da er gefährlich sei. Auch Mister RoadTrip wird gewarnt und wir sind gespannt was für ein Tier da kommen mag. Bald schon hören wir das Keuchen des Hundes. Ein Schäferhund der an der Leine zieht wie wild. Nicht weil er gefährlich ist. Nein, weil er noch jung und ungezogen ist. Mister RoadTrip und ich schauen uns nur schnell an und müssen beide das Lachen unterdrücken. Wir dürfen die Polizisten ja nicht blossstellen. Der Hund schnüffelt erst an mir rum und der Polizist erwartet, dass ich nun Angst zeige. Sorry, den Gefallen kann ich ihm dann doch nicht tun, da der Kleine einfach zu süss ist.

Ich lasse mir aber nichts anmerken und meine dann nur zu dem Polizisten, dass der Hund seine Arbeit verstehe. So wie der im Bus rumschnüffelt. (-Der Arme hatte sicher Hunger. Er hat die Brotkrumen die in dem Teppich waren alle aufgeputzt.-) Stolz meinte der Polizist, dass der Hund sehr gründlich sei. Kann man wohl sagen, besser als jeder Staubsauger! Der Teppich war wieder sauber aber die Coca Blätter die vor seiner Nase lagen, waren nicht interessant. Der Polizist ist leicht verärgert, dass er uns nichts anhängen kann und lässt uns gehen. Ein leise geflüstertes: „Trinkgeld?“ haben wir höflich überhört.

Es ist schon späterer Nachmittag und wir freuen uns auf unseren Übernachtungsplatz. Etwas essen und dann gemütlich den Sonnenuntergang geniessen. Früh ins Bett um am nächsten Morgen die Ausgrabungen zu besichtigen. Loreto wir kommen! Oder doch nicht?

Schon bald staut es auf der Hauptstrasse und wir stecken Mitten im Stau.

Um uns rum werden Stühle ausgepackt, gegessen und getrunken und viel geredet. Strassenverkäufer mit Zuckerwatte, Backwaren und allerlei Kleinkram ziehen von Fahrzeug zu Fahrzeug und versuchen, sich einen Zustupf zu verdienen. Wir steigen auch aus und kurze Zeit später werden wir auf deutsch angesprochen. „Woher seid ihr? Von wo kommt ihr? Wohin wollt ihr?“, die üblichen Fragen nur diesmal auf deutsch. Wir erfahren, dass in der Provinz Misiones viele Deutsche, Schweizer, Holländer, Dänen, Polen und Ukrainer sich im Jahre 1919 niederliessen und die Sprache bis Heute weitergelernt wurde.

Strassensperre in der Provinz Misiones

Ich erkundige mich nun, warum wir im Stau stehen würden und was passiert sei. Uns wird gesagt, dass die Arbeiter einer Holzfabrik streiken und die Strasse blockieren. Sie seien wütend über die Situation und wollen gerechter entlöhnt werden, mehr Sicherheit bei der Arbeit und kürzere Arbeitszeiten. Wie auch nachhaltigere Abholzung und nicht mehr die zerstörerische Profitgier der Inhaber fördern. In ein bis zwei Stunden würde die Sperre für eine Stunde aufgehoben und wir könnten ungehindert weiterfahren. Wir plaudern noch hier und da ein wenig und schon ist die Wartezeit vorbei. Es geht weiter. Wir fahren an den Protestler vorbei und sehen, dass die Meisten zu den indigenen Völkern gehören. Wir wissen nicht wie sie auf uns reagieren werden und sind ein wenig angespannt. Als sie uns bemerken, stehen sie auf, lachen und winken uns zu. Sie strecken den Daumen in die Höhe und fangen an zu singen. Wir sind sehr überrascht und freuen uns natürlich, gleichzeitig sind wir aber auch ein wenig beschämt. Wir gehören auch zu dem Volk, die genau diese Leute vor 100 Jahren anfingen von ihrem Land zu vertreiben.

Montecarlo

Durch die längere Polizeikontrolle und dann die Strassensperre, sind wir später dran als geplant. Wir entscheiden, dass wir uns vorher schon ein Platz zum übernachten suchen wollen und unsere Wahl fällt auf Montecarlo.

Wir sehen auf der Karte, dass es verschiedene Zugänge zum Fluss Paraná gibt und wollen uns das Ganze einmal ansehen. Wir fahren langsam durch die Stadt und sind überrascht, dass wir auf dem Dorfplatz das Matterhornauf einem grossen Plakat sehen. Wir erfahren, dass hier viele Schweizer und Deutsche eingewandert waren. Es gibt eine deutsche Schule im Ort. Diese wurde 1958 gegründet und wird auch jetzt noch rege besucht. In dieser Stadt findet auch immer im Oktober ein grosses Orchideenfest statt. Ein Labyrinth aus Pflanzen und Hecken hat es auch und es sei das Grösste in ganz Südamerika. Nicht zu vergessen, den Park mit Andenken an Che Guevara, der einige Zeit in dieser Gegend lebte.

Nun heisst es aber fix unseren Schlafplatz für die Nacht suchen. Wir fahren zwei, drei Wege hinunter an den Fluss, merken dann aber schnell, dass es nicht so einfach ist hier zu stehen. Das Dorf ist, auch was Gesetzt und Regeln betrifft, sehr europäisch. So wie wir Argentinien bisher erlebt hatten, war es nie ein Problem irgendwo durchzufahren wo man nicht sicher war, ob man darf oder nicht. Hier ist es anders. Wir wollen an den Fluss und an der Strasse steht ein Schild auf dem nicht eindeutig ein Verbot für die Durchfahrt geschrieben ist. Wir sind keinen Meter gefahren, als schon ein Polizist uns anhält und darauf hinweist, dass wir an dieser Stelle am Fluss nicht stehen können. Wir fahren ein wenig weiter um zu wenden und müssen dazu auf eine Holzerstrasse. Schon kommen uns Waldarbeiter entgegen und deuten uns, dass wir hier nicht durchfahren dürfen. Wir fühlen uns sogleich nach Hause zurückversetzt. Wir nehmen einen letzten Versuch in Angriff, doch noch an den Paraná zu gelangen und fahren eine Lehmpiste Richtung Fluss.

Durch dichtes Unterholz wurde hier ein Pfad freigelegt und wir kommen nun bis an den Fluss runter. Zwei Fischer sind am angeln und lassen sich von uns nicht stören. Ein kurzes „Hallo, wie gehts?“ Neugierige Blicke auf unseren Bus und das war es schon. Hier stört es niemand dass wir übernachten wollen.

Mit Blick auf den Fluss, eine Insel in der Mitte des Flusses und auf der anderen Seite Paraguay, verbringen wir den Abend und die Nacht hier.

Am nächsten Tag geht es dann weiter nach Loreto zu den Jesuiten Ruinen und wir sind neugierig, was es da alles zu entdecken geben wird. Doch das kommt im nächsten Beitrag.

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